Die Stadtwerke in ihrer Eigenschaft als kommunaler Stromanbieter prüfen, inwiefern eine Klage gegen die Verlängerung der Laufzeit von Atomkraftwerken Sinn machen könnte. Die Stadtwerke argumentieren, dass das Regierungsvorhaben milliardenschwere Investitionen in alternative Kraftwerke gefährdet. Viele dieser schon geplanten, sich noch im Bau befindlichen oder schon fertiggestellten Anlagen würden sich dann nicht mehr rechnen.
Die geplante Laufzeitverlängerung für Atomkraftwerke stößt bei vielen Stadtwerken auf Widerstand. Kurt Kuhn, Sprecher einer Interessengemeinschaft, der 150 kommunale Versorger angehören, befürchtet drastische Folgen den Neubau von Kraftwerken betreffend. Viele geplante Investitionen würden durch die Pläne der Regierung infrage gestellt, so Kuhn weiter. Die Versorger befürchten, dass die Stromnachfrage, mit der bei der Planung der Kraftwerke kalkuliert wurde, deutlich geringer ausfallen wird. So könnten viele der Neubauvorhaben schnell zu einem Verlustgeschäft werden.
Nach dem von der rot-grünen Bundesregierung 2001 beschlossenen Atomausstieg stiegen viele lokale Versorgungsunternehmen in die Stromproduktion ein. Der alte Ausstiegsbeschluss sah vor, dass bis 2024 circa 20000 Megawatt Stromerzeugungskapazitäten frei werden sollten. Diese Lücke wollten die Stadtwerke schließen. Darüber hinaus sahen viele Stadtwerke in der Stromerzeugung eine Überlebensstrategie, da die Verbraucher seit 1998 ihren Stromversorger frei wählen können.
Die nun beschlossene Laufzeitverlängerung erachten die Stadtwerke als großen Wettbewerbsnachteil gegenüber den großen Konzernen. Deren Marktmacht werde jetzt durch zusätzlich Gewinne noch gestärkt, so Kuhn. Kuhns Unternehmen ist an mehreren Projekten beteiligt, etwa ein Kohlekraftwerk in Lünen, hintern denen jetzt ein großes Fragezeichen prangt.
Ein weiterer Zusammenschluss von Stadtwerken, Trianel, hält den Beschluss der Bundesregierung für Klientelpolitik zugunsten der großen Stromkonzerne. Der Geschäftsführer von Trianel, Sven Becker, befürchtet, dass Wettbewerb im Sektor der Stromerzeugung durch den Beschluss der Regierung um Jahrzehnte verhindert wird. Trianel fordert, dass die Großkonzerne als Ausgleichsmaßnahme alte Kohlemeiler vom Netz nehmen müssen. Sollte diese Forderung nicht umgesetzt werden, drohen die Stadtwerke mit juristischen Schritten. Bevor es allerdings dazu kommt, müssen nach Ansicht Kuhns erst einmal die Bundesländer ihre juristischen Möglichkeiten ausnutzen.