Die Wirtschaft wächst deutlich stärker als erwartet. Trotzdem ist nicht alles eitel Sonnenschein, denn mit dem Boom tritt auch ein Problem zutage: es fehlen gut ausgebildete Fachkräfte. Zurzeit haben gut zwei Drittel der Unternehmen Probleme, genügend Fachkräfte zu finden. Darauf weist der Industrie- und Handelskammertag hin. Bei anhaltendem Boom würde sich die Lage weiter verschlechtern.
Der Industrie- und Handelskammertag (DIHK) warnt aufgrund des außerordentlichen Wachstums der deutschen Wirtschaft vor einem Fachkräftemangel. Schon jetzt würde den Firmen qualifiziertes Personal fehlen. Nach Angaben des DIHK hätten bereits 70 Prozent der Firmen Probleme, geeignete Fachkräfte zu finden. Laut DIHK-Präsident Driftmann befürchten viele Unternehmen eine deutliche Verschärfung der Fachkräftesituation in den kommenden fünf Jahren. Obwohl das Problem seit Jahren absehbar gewesen sei, wurde nicht rechtzeitig gegengesteuert, so Driftmann weiter. Der Mangel an Fachkräften ist nicht alleine durch Zuwanderung behebbar. Vielmehr müssen die Unternehmen wieder damit beginnen, selbst genügend Fachpersonal auszubilden. Auch die Einstellung weniger qualifizierter Arbeitskräfte würde laut Driftmann künftig eine größere Rolle spielen.
Die Bundesregierung plant beim Thema Zuwanderung keine Neuerungen. Arbeitsministerin von der Leyen pflichtete Driftmann bei, und weist ebenfalls darauf hin, dass die Anwerbung ausländischer Fachkräfte den Fachkräftemangel in Deutschland im besten Fall nur dämpfen kann. Beheben ließe er sich dadurch alleine keinesfalls. Forderungen nach einem neuen Zuwanderungsrecht wies Innenminister Thomas de Maizière zurück. Besonders die Unternehmen sprechen sich für ein Punktesystem nach kanadischem Vorbild aus. De Maizière lehnte dies ab, unter anderem mit dem Hinweis, dass dieses System zu bürokratisch sei. Die Unternehmen bemängelten ihrerseits die sogenannte Vorrangprüfung. Diese besagt, dass ein Unternehmen erst prüfen muss, ob eine freie Stelle mit einem Arbeitnehmer aus Deutschland oder der EU besetzt werden kann, bevor Fachkräfte aus anderen Ländern eingestellt werden können. Firmen und Wirtschaftsverbände kritisieren diese Prüfung als zu aufwendig. Laut de Maizière gebe es hier aber ausreichend Ausnahmen, beispielsweise bei Ingenieuren. Damit schob er die Verantwortung wieder den Unternehmen zu.